Skills Mismatch

Ungenutzte Qualifikationen: Warum viele Migrant:innen in Österreich unter ihrem Abschluss arbeiten

Inara Habibzadeh
Cover Skills Mismatching EN

Österreich benötigt qualifizierte Arbeitskräfte. Gleichzeitig arbeiten viele Migrant:innen mit hoher Ausbildung in Jobs, die unter ihrem Qualifikationsniveau liegen. Dieses Phänomen hat nicht nur negative Folgen für die Betroffenen selbst, sondern auch für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft. Eine Studie von EMN Österreich geht der Frage nach, was die Ursachen dafür sind und was dagegen helfen kann.

Was bedeutet „Skills Mismatch“?

Von Skills Mismatch spricht man, wenn Qualifikationen und berufliche Tätigkeit nicht zusammenpassen. Eine häufige Form ist die Überqualifikation: Personen mit höherer Ausbildung arbeiten in Tätigkeiten, die geringere Anforderungen stellen. In Österreich betrifft dieses Phänomen Migrant:innen besonders häufig.

Warum Migrant:innen häufiger betroffen sind

Migrant:innen haben sehr unterschiedliche Hintergründe und Lebensrealitäten. Dennoch zeigen sich gemeinsame Herausforderungen. Eine zentrale Rolle spielen Sprachbarrieren. Unzureichende Deutschkenntnisse können den Zugang zu qualifikationsadäquaten Jobs erheblich erschweren.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Die Verfahren sind oft komplex, langwierig und mit Kosten verbunden. Viele entscheiden sich daher gegen eine Anerkennung und nehmen rasch eine Beschäftigung auf, um Einkommen und Aufenthalt zu sichern.

Rahmenbedingungen die Skills Mismatch begünstigen

Migrant:innen leben häufig in Regionen mit begrenztem Angebot an passenden Stellen, während Arbeitskräfte in anderen Regionen gesucht werden. Einkommensvoraussetzungen für Aufenthaltstitel erhöhen zusätzlich den Druck, schnell eine Arbeit aufzunehmen.

Das österreichische Arbeitsmarktsystem, das stark auf formale Abschlüsse und berufliche Zertifikate ausgerichtet ist, stellt für im Ausland ausgebildete Personen oft eine zusätzliche Hürde dar.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Die Studie zeigt, dass Frauen häufiger von Skills Mismatch betroffen sind. Besonders deutlich wird dies in reglementierten Berufen, etwa im Gesundheitsbereich. Fehlende Netzwerke, Betreuungspflichten und unzureichend zugeschnittene Unterstützungsangebote können die Situation zusätzlich verschärfen.

Was bereits getan wird – und wo Lücken bestehen

In Österreich gibt es zahlreiche Maßnahmen zur Verringerung von Skills Mismatch, darunter Beratungsangebote zur Anerkennung, Sprachkurse, Mentoringprogramme und Qualifizierungsmaßnahmen. Der Schwerpunkt liegt dabei überwiegend auf der Unterstützung von (migrantischen) Arbeitnehmer:innen.

Weniger stark berücksichtigt werden Arbeitgeber:innen, etwa durch Anreize oder begleitende Maßnahmen zur qualifikationsadäquaten Beschäftigung. Die Studie macht deutlich, dass nachhaltige Lösungen beide Seiten des Arbeitsmarktes einbeziehen müssen.

Warum sich ein Blick in die Studie lohnt

Bleiben Qualifikationen ungenutzt, entstehen Verluste für alle Beteiligten. Migrant:innen haben geringere Einkommens- und Entwicklungschancen, Unternehmen verlieren Potenzial, und die Wirtschaft büßt an Produktivität ein. Die EMN-Österreich-Studie analysiert dieses Phänomen umfassend und zeigt Ansatzpunkte für Politik und Praxis auf.

Wer sich für Arbeitsmarktintegration oder Migrationspolitik interessiert, ist eingeladen, die vollständige Publikation für weiterführende Informationen und Analysen heranzuziehen.

EMN Österreich Studie von Anna Ammann & Leila Hadj Abdou

Nachhaltige Arbeitsmarktintegration von Migrant:innen: Ursachen von Skills Mismatch sowie Maßnahmen und Initiativen zur qualifikationsadäquaten Beschäftigung