Österreich Asyl- und Migrationsüberblick 2025

Was hat sich 2025 in der österreichischen Asyl- und Migrationspolitik verändert?

Inara Habibzadeh
Österreich Asyl- und Migrationsüberblick 2025

Migrationspolitik ist ein Politikfeld, das sich laufend weiterentwickelt. Gesetzliche Rahmenbedingungen ändern sich, neue Schwerpunkte werden gesetzt, und gesellschaftliche Debatten entwickeln sich weiter. Der Asyl- und Migrationsüberblick 2025 von EMN Österreich hält fest, was im vergangenen Jahr in Österreich passiert ist – faktenbasiert, verständlich und mit Blick auf unterschiedliche Perspektiven aus Politik, Zivilgesellschaft und Medien.

 

Was ist der Asyl- und Migrationsüberblick?

Der Asyl- und Migrationsüberblick ist ein jährlicher Bericht, der im Rahmen des Europäischen Migrationsnetzwerks (EMN) erstellt wird. Das EMN ist ein Netzwerk von nationalen Kontaktpunkten in allen EU-Mitgliedstaaten (außer Dänemark), das vergleichbare und verlässliche Informationen zu Migration und Asyl bereitstellt. In Österreich wird dieser Bericht vom IOM Landesbüro für Österreich als nationalem Kontaktpunkt erarbeitet – 2025 zum zweiundzwanzigsten Mal in Folge. Der Bericht deckt den Zeitraum vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2025 ab.

 

Ein Jahr voller Veränderungen

Migrationspolitisch war das Jahr 2025 in Österreich geprägt von einer neuen Bundesregierung und einem neuen Regierungsprogramm. Daraus resultierte eine Vielzahl von Initiativen in den Bereichen Asyl, reguläre Migration, Integration und Rückkehr. Gleichzeitig hatten Budgetkürzungen Auswirkungen auf einige migrationsrelevante Politikbereiche.

Zu den zentralen Entwicklungen zählt die Aussetzung der Familienzusammenführung für international Schutzberechtigte. Österreich änderte dafür das Asylgesetz 2005 und erließ eine Verordnung, mit der die Entscheidungsfrist und die Pflicht zur Entscheidung über entsprechende Anträge ausgesetzt wurde. Diese Maßnahme löste intensive rechtliche und gesellschaftliche Debatten aus, insbesondere im Hinblick auf grund- und menschenrechtliche Bedenken.

Ein weiteres zentrales Thema war die Intensivierung von Abschiebungen: in der zweiten Jahreshälfte 2025 wurden erstmals seit 2011 wieder Abschiebungen in die Arabische Republik Syrien durchgeführt, erstmals seit rund 20 Jahren nach Somalia sowie erstmals seit der Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 nach Afghanistan. Diese Schritte wurden kontrovers diskutiert – vor allem aufgrund menschenrechtlicher Bedenken.

Auch das Thema Arbeitsmigration blieb 2025 zentral. Wie in den Vorjahren prägte der Bedarf an Fachkräften die österreichische Arbeitsmarktpolitik. Neue Maßnahmen erleichterten etwa die Anwerbung von Wissenschafter:innen aus den USA oder vereinfachten die grenzüberschreitende Beschäftigung für Drittstaatsangehörige aus Nachbarstaaten durch eine neue Aufenthaltsbewilligung. Zudem wurde die sogenannte Mangelberufsliste aktualisiert – die Grundlage für die Anwerbung von Fachkräften aus Drittstaaten in Berufen mit Arbeitskräftemangel. Ziel all dieser Maßnahmen war es, das Zulassungsverfahren zu vereinfachen und Österreich als Standort attraktiver zu machen.

Die Bundesregierung präsentierte 2025 zudem einen Plan für ein verpflichtendes Integrationsprogramm, das auf drei Säulen basiert: deutsche Sprache, Erwerbstätigkeit und Werte. Das Programm wurde im Integrationsbereich teils positiv, teils kritisch bewertet. Weitere Integrationsmaßnahmen umfassten die Ausweitung von Deutschfördermaßnahmen, die Finanzierung zusätzlicher Lehrkräfte sowie die Einführung von Orientierungsklassen für neu zugewanderte schulpflichtige Kinder. Zudem wurde ein Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 Jahren nach intensiven Debatten gesetzlich verankert.

 

Was sagen die Zahlen?

Im vergangenen Jahr hat sich der Anteil der zum Zweck der Arbeitsaufnahme und zum Zweck der Ausbildung erteilten Aufenthaltstitelbeziehungsweise Aufenthaltsbewilli­gungen jeweils vergrößert, blieb aber geringer im Vergleich zu Erteilungen aus Gründen der Familie und aus anderen Gründen. Die Zahl der Anträge auf internationalen Schutz ging 2025 erneut zurück. Die Mehrzahl der Anträge stammte nicht von neueinreisenden Personen, sondern waren sogenannte nicht-originäre Anträge – etwa von in Österreich nachgeborenen Kindern oder Folgeanträge nach bereits abgeschlossenen Verfahren. In der Grundversorgung zeigte sich ein deutlicher Rückgang der versorgten Personen, während neue Regelungen in Wien und Tirol einen Anstieg subsidiär Schutzberechtigter in der Grundversorgung erwarten lassen. Die Zahl der Ukrainer:innen mit vorübergehendem Schutz blieb weiterhin hoch. Die Rückkehrstatistik für 2025 zeigte einen leichten Anstieg der (zwangsweisen und freiwilligen) Ausreisen.

 

Warum ist dieser Bericht wichtig?

Der Asyl- und Migrationsüberblick bietet eine faktenbasiertes Bild der migrationspolitischen Entwicklungen in Österreich. Er richtet sich an Entscheidungsträger:innen, Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie an alle, die verstehen möchten, was in der österreichischen Migrationspolitik passiert – jenseits von Schlagzeilen. Der vollständige Bericht steht weiter unten zum Download bereit. Weitere Analysen zu Migration und Asyl in Österreich und Europa finden Sie in der Publikationsübersicht von EMN Österreich.